Linda und Wilfried Götte aus Wasserstraße schufen ein einzigartiges Pflanzenparadies

Von der Heide bis in die Alpen

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Linda und Wilfried Götte gestalteten ihren Garten 17 Jahre lang.

WASSERSTRASSE - von Leif Rullhusen. Ein besonderes Pflanzenparadies, fast schon einen botanischen Garten schufen sich Linda und Wilfried Götte rund um ihr Eigenheim in Wasserstraße. Auf einem halben Hektar wechseln sich unter anderem Heide-, Moor-, und Waldlandschaften ab.

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Moorlandschaft mit fleischfressenden Schlauchpflanzen.

WASSERSTRASSE - von Leif Rullhusen. Bei dem Pflanzenparadies von Linda und Wilfried Götte von einem botanischen Garten zu sprechen, ist wahrlich keine Übertreibung. Was die Eheleute auf ihrem stellenweise parkähnlichen Grundstück in Wasserstraße geschaffen haben, ist ebenso einzigartig wie beeindruckend.

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Alpines Flair verbreitet die Felsenwand mit Enzian und Edelweiß.

Wer sich von den beiden Gartenliebhabern durch ihre Pflanzenwelt führen lässt, vergisst bereits nach wenigen Metern, dass er sich in einem Privatgarten befindet. Der Rundgang beginnt mit einer Heidefläche, führt dann vorbei an einem kleinen Moor mit Knabenkraut und Schlauchpflanzen sowie an einem Alpinum – einer kleinen Felswand – mit Enzian, Edelweiß und Felsenteller in ein Waldstück. Unter den hohen Bäumen im Halbschatten blühen eine stattliche Anzahl Orchideen und jede Menge Rhododendren sowie Azaleen der verschiedensten Gattungen.

In dem angrenzenden Rosarium gedeihen unter anderem einige seltene Pfingstrosen. „Ich bin Pflanzensammler“, gesteht Ex-Banker Götte. Insgesamt, so schätzen die beiden Gartenliebhaber, befinden sich rund um ihr Haus allein 60 verschiedene Taglilien- und 40 Phlox-Arten. Azaleen und Rhododendren könnten zusammen sogar auf 200 unterschiedliche Sorten kommen. Wahrscheinlich ist es einfacher, aufzuzählen, was in dem Garten von Linda und Wilfried Götte fehlt. „Einjährige haben wir nicht“, sagt er.

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In dem Teich leben Kois und seit kurzem auch eine Schildkröte.

Doch es sind nicht nur die vielen Pflanzenvariationen, die den Reiz des Gartens ausmachen. Es ist seine gesamte Gestaltung. Selbst ein von Natursteinen gesäumter kleiner idyllischer Bachlauf plätschert den Hang hinab und mündet in einem großen Teich. Der wird übrigens ausschließlich vom Regenwasser des Hausdaches gespeist. Darüber hinaus besticht der Garten durch seine einzigartige hügelige Lage inmitten der ansonsten topfebenen Wesermarsch. „Wir befinden uns hier in einem ehemaligen Weserarm“, erklärt Wilfried Götte die besondere Landschaftsform. Das Areal liegt genau in dem einstigen Flussbett sowie an dessen Uferböschung. Darüber thront das Haus. Einen entsprechend herrlichen Blick über all die Gartebereiche und in das angrenzende Naturschutzgebiet „Schmiedebruch“ gewährt die Terrasse – oder bei schlechtem Wetter der Wintergarten.

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Wildbach-Atmosphäre am Hang.

Kaum vorstellbar, dass diese 5360 Quadratmeter große Garten- und Naturlandschaft noch vor gut 20 Jahren ausschließlich landwirtschaftlich genutzt wurde. 17 Jahre lang haben Linda und Wilfried Götte ihren Gartentraum gestaltet, und zwar ausschließlich am Wochenende. Denn bis vor vier Jahren wohnten die Eheleute aus beruflichen Gründen noch in Winsen (Luhe). Erst mit der Pensionierung von Wilfried Götte zogen sie zurück in sein Elternhaus in Wasserstraße. „Wir sind jeden Samstagmorgen hergekommen und erst in der Dunkelheit wieder zurückgefahren“, erinnern sich die beiden. Oft übernachteten sie im ehemaligen Hühnerstall, den sie zu einer kleinen Gästewohnung umgebaut hatten. So entstand nach und nach der Garten. „Wir haben uns am Anfang zwar einen Plan gemacht, wie alles einmal aussehen soll, aber irgendwie ist etwas ganz anderes entstanden“, lacht Linda Götte rückblickend. Zufällig war die Gestaltung trotzdem nicht. So ist zum Beispiel das Moor gartenbautechnisch raffiniert und aufwendig. Um die richtigen Voraussetzungen für Sumpfpflanzen zu schaffen, vergrub Wilfried Götte in einer großen mit Folie ausgelegten Kuhle 100 Zehn-Liter-Eimer über Kopf im Erdreich. Im Boden – nun also an der Oberseite – bekam jedes Exemplar ein kleines Loch. Darüber befindet sich jetzt der Torf. „Diese Konstruktion bildet den natürlichen unterirdischen Wasserspeicher. Ansonsten würde der Torf sofort austrocknen“, erklärt der 66-Jährige pensionierte Bankkaufmann.

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Fliegende Fische als Gartendeko.

Die Heidelandschaft ist dagegen das Ergebnis einer Beinahkatastrophe. Vor einigen Jahren brannte nämlich der Carport ab. Als an dessen Stelle Platz war, pflanzten die Göttes dort Erika und andere Heidekräuter.

Obwohl der Garten auf unbedarfte Besucher wirkt, als würde ihn eine Heerschar an Gärtnern in Schuss halten, ist er durchaus pflegeleicht. „Wir achten darauf, nicht Sklaven des eigenen Gartens zu werden“, versichern die Göttes. Im Frühjahr, wenn das Unkraut sprießt, sei die Gartenarbeit zuweilen schon ein Fulltime-Job, doch im Sommer bliebe genug Zeit für die Sonnenliege. Das Geheimnis seien unter anderem viele Bodendecker. Und im Winter, wenn die Natur frostgeschützt ruht, verlassen die Eheleute ihre heimatliche Idylle sogar für einen längeren Zeitraum. „Dann fliegen wir jedes Jahr nach Teneriffa.“